Für einen Ausflug nach Gent verließen wir einen Tag unsere Basis in Brügge. In Gent angekommen, schauten wir uns ausführlich in der netten Altstadt um, besuchten die beeindruckende Wasserburg Gravensteen und warfen natürlich auch einen Blick vom Belfort über die Stadt.
Übersicht
Auf nach Gent
Das Wetter war uns auch an diesem Tag holt und so starteten wir gut gelaunt nach ausführlichem Frühstück Richtung Gent, unserem heutigen Tagesziel.
Schon bei der Anfahrt bemerkten wir, dass Gent eine durchaus beeindruckende Großstadt ist, ganz anders als Brügge, das von netten, gemütlichen Wohnvierteln umgeben ist. Auch die Parkplatzsuche in Gent gestaltete sich nicht ganz einfach, da die Ausschilderung eher suboptimal ist. Dank Navi fand ich aber schließlich zu einer Tiefgarage am Vrijdagmarkt, wo wir quasi alle spannenden Sehenswürdigkeiten der Innenstadt zu Fuß in Reichweite hatten.
Das nenn‘ ich mal Kanone!
Burg Gravensteen
Wir liefen als erstes zum Groentenmarkt, der aber eher enttäuschend klein war. Auch war noch nicht wirklich was los, so dass wir ohne viel Aufsehens vorbei am Café ‚t Galgenhuis zur Burg Gravensteen weiterzogen.
Hinweis: Galgenhuis heißt tatsächlich übersetzt Galgenhaus. Hintergrund ist die ehemalige Funktion des Hinterhauses des Cafés, in dem einst die zum Tode Verurteilten der Stadt auf die Vollstreckung ihrer Strafe warteten.
Burg Gravensteen
Eine herrliche Burg
Die tolle Wasserburg Gravensteen mitten in Gent mussten wir natürlich unbedingt unter die Lupe nehmen. Die 26 Euro Eintritt nahmen wir gern in Kauf. Der Rundgang durch die Burg ist gut und übersichtlich anhand von fortlaufenden Nummern gestaltet – nur schade dass es keinen Audio Guide gab. Trotzdem war die Erkundung spannend und schön. Im großen Saal waren zudem viele teils sehr kunstvoll gestaltete, edle Waffen und auch Ritterrüstungen ausgestellt.
Ausgestellte Ritterrüstung
Für mich ist ja immer die Aussicht von besonderem Interesse und auch auf Burg Gravensteen enttäuschte diese nicht. Wir konnten hier sehr schön über Gent blicken und entdeckten viele der Kirchen, Kathedralen und natürlich auch den Belfort, die wir allesamt schon auf der Rechnung hatten.
Auf dem Dach
Blick über Gent
Leider war das Licht zum Zeitpunkt unseres Rundgangs sehr hart und der Sonnenstand zudem sehr ungünstig, so dass ich kaum brauchbare Fotos produzierte. Egal. Die Laune trübte das kaum, so fotografierte ich halt munter Teile der Burg, die mir wirklich gut gefiel. Auch der Rundgang um die Burg an der Außenmauer entlang war einfach nur schön.
Blick von unten
Blick aus dem Keller
Burg Gravensteen von vorn
Kunst oder Meinung?
Sint-Michielskerk & St. Michielsbrug
Nach dem tollen Start nahmen wir Gent näher unter die Lupe und liefen Richtung Kirche Sankt Michael (Sint-Michielskerk) mit einem kurzen Stopp im örtlichen Tourismusbüro. Der Weg zur Kirche entlang des Flusses gefiel mir gut – allerdings kam er nicht am tollen Flair Brügges heran. Überhaupt bemerkten wir schon auf den ersten Metern, dass Gent es wohl nicht schaffen würde, ernsthaft mit Brügge in Konkurrenz zu treten. Straßenbahnen, Verkehr, die ein oder andere recht unansehnliche, weil dreckige Ecke und die größere Weitläufigkeit im Vergleich zu Brügge fielen uns sofort eher negativ auf.
Sint-Michielsbrug
Sint-Michielskerk
Die Kirche selbst war dann leider geschlossen, so dass wir sie nur von außen betrachten konnten. Da es aber noch genug andere Kathedralen in Gent gibt, störte uns das nur wenig. So liefen wir über die tolle St. Michielsbrug weiter Richtung Sint-Niklaaskerk, die wir einmal komplett umrundeten, bis wir den Eingang schließlich und endlich fanden.
Über die St. Michielsbrug zur St. Niklaaskerk
Skulptur auf der St. Michielsbrug
Street Art erinnert an Hausbrand
Sint-Niklaasklerk
Sehr beeindruckend fand ich in dieser Kirche vor allem die sehr hohe Decke und den Blick in den noch höheren Turm, den ich natürlich schon aus Symmetrie Gründen einfach von unten festhalten musste, indem ich mich direkt in die Mitte darunter stellte.
St. Niklaaskerk von unten
Als nächstes fiel mir der extrem beeindruckende, übergroße Altarbereich mit all seinen kunstvoll gestalteten Skulpturen auf, den ich so in dieser Form auch noch nirgendwo sonst gesehen habe. Ich umrundete den Altarbereich einmal und entdeckte in zahlreichen Nischen und auch hinter dem Altar weitere Kunstwerke und spannende Motive.
Prunkvoller Altar
Anschließend setzten wir uns noch ein paar Minuten und ließen diese beeindruckende Kathedrale mit ihrer Weihrauch geschwängerten Luft auf uns wirken.
St. Niklaaskerk
Blick vom Belfort über Gent
An der Stadthalle Gent vorbei – eine Art Brücke mit spannender Überdachung – liefen wir nun Richtung Belfort.
Stadthalle von Gent
Wir machten uns schon mit dem Gedanken vertraut, auch hier wieder einiges an Stufen zurücklegen zu müssen, als wir plötzlich nach den ersten rund 65 Stufen plötzlich vor einem Fahrstuhl standen! Ließen wir uns natürlich gern drauf ein, zumal auch hier auf den noch engeren Treppen bei Gegenverkehr wieder einiges an Schwierigkeiten auf einen zukam, wie wir später feststellten.
Belfort
Belfort
So konnten wir direkt bis in das oberste Stockwerk fahren, wo wir uns durch eine super schmale Tür auf den noch engeren Rundgang hinaus traten, der uns allerdings mit einem genialen Blick über die Stadt entlohnte. Dieses Mal gab es auch keine störenden Gitter, so dass ich frank und frei fotografieren konnte, was ich reichlich tat. Ich mag solche Aussichtspunkte immer besonders gern. Wenn mir dann noch der Wind um die Nase weht und das Wetter mitspielt – perfekt!
Blick vom Belfort auf die St. Michielskerk
Blick vom Belfort auf die St. Niklaaskerk
Den Abstieg wollten wir nun eigentlich wie auch angedacht zu Fuß vornehmen. Aber als wir schon nach wenigen Metern den ersten Gegenverkehr durch Leute hatten, die mal wieder Pfeile nicht richtig interpretieren wollten oder konnten, bemerkten wir schnell, das der Abstieg mehr als schwierig werden kann. Lucas hätte es beim Aneinander vorbei quetschen fast die Wendeltreppe herunter purzeln lassen. Daher nutzten wir kurzerhand auf der nächsten Ebene, auf der auch die Spieltrommel des Glockenspiels stand, einfach wieder den Fahrstuhl, um hinunter zu gelangen. Eigentlich war der Weg ja ganz gut organisiert – Fahrstuhl rauf, zu Fuß runter – aber was will man machen, wenn sich die Leute nicht dran halten?! Schade eigentlich!
Blick vom Belfort über Gent
Blick vom Belfort über Gent
Sint-Baafskathedraal
Apropos nicht dran halten – unser nächstes Ziel war die direkt in der Nähe befindliche Sint-Baafskathedraal, in der das Fotografieren leider strikt verboten ist. Ich machte zwar auch –Asche auf mein Haupt – ein einziges Bild für mich zur Dokumentation, werde das aber natürlich nicht auf meinem Blog veröffentlichen. Krass fand ich allerdings, wie viele Leute ungehemmt und ohne jegliches schlechtes Gewissen o. Ä. jede Figur, jede Szene fotografierten und auch vor Selfies vor dem Altar nicht Halt machten. Naja, wie sagt man so schön, Frechheit siegt. Wir blieben trotzdem brav und setzten uns einfach ein wenig in die letzte Reihe und ließen die Kathedrale auf uns wirken. Wirklich schöne barocke Einrichtungselemente, tolle Skulpturen und der aufwendig gestalteter Altar von Jan und Hubert Van Eick, genannt Genter Altar, prägten das beeindruckende Bild.
Tipp: Übrigens den Altar kann man auch ganz bequem und sehr detailliert auf der Webseite des Königlichen Instituts für das Kunsterbe betrachten.
Nach so viel geistiger Nahrung und kirchlichen Eindrücken hatten wir uns nun erstmal eine Stärkung verdient. Um unser Budget etwas zu schonen, entschieden wir uns für das große gelbe M, wo wir für 14 Euro alle 3 sehr bequem satt wurden. Kleiner Seitenhieb – eine gastronomische Einrichtung, die ein WC nur gegen Entgelt anbietet und das zudem noch von einer extrem unfreundlichen „Sanitäranlagenmanagerin“ quasi bewacht wird, halfen nicht, mir Gent sympathischer zu machen!
St. Baafskathedraal
Zu dieser Zeit etwa zogen wir auch schon ein erstes Fazit für uns. Gent hatte durchaus sehr beeindruckende Sehenswürdigkeiten, gefiel uns aber nicht halb so gut wie Brügge, in das wir uns fast ein wenig verliebt hatten.
Stadthius van Gent
Wir suchten nun das Stadthius van Gent, das nahe dem Belfort liegt, aber leider am heutigen Feiertag geschlossen war. Schade! Die prunkvollen Räume, von denen wir gelesen hatten, hätten wir uns gern angeschaut.
Wir beschlossen nun, unseren Besuch von Gent zu Ende gehen zu lassen und lieber nach Rückkehr nach Brügge dort noch ein wenig die Innenstadt und ein Eis zu genießen.
Straßenfest
Den Rückweg zum Parkhaus legten wir entlang der Leie, was wirklich nett war und uns zudem noch überraschender Weise mitten in ein laufendes Straßenfest führt. Bunte Girlanden, Restaurants, Zelte, Musik, Kaffees und ein irre buntes Treiben ließen uns Gent sofort ein wenig sympathischer werden – aber trotzdem, der Funke sprang letztendlich bei uns nicht über.
Ein Straßenfest als versöhnlicher Abschluss
Zu viele Ecken und Straßen wirkten auf uns eher unansehnlich, viele Häuserfassaden sahen schon fast verfallen und ungepflegt aus. Mag sein, dass Gent vor allem für Szenegänger bei Nacht und für Kultur- und Kunstliebhaber ein Genuss ist – für uns am Tage war es ein netter Ausflug, nicht mehr und nicht weniger. Kein Vergleich mit Brügge und auch kein wirklicher Magnet für uns. Wir steuerten daher wieder die Autobahn nach Brügge an, wo wir prompt wieder in einem Stau landeten, dem wir nun mit der Erfahrung vor 2 Tagen geschickt über die Landstraßen auswichen.
Entlang der Leie
Zurück nach Brügge
In Brügge angekommen, erholten wir uns kurz und spazierten dann direkt wieder in die wundervolle Innenstadt, wo wir uns als erstes in der wie immer vollen Gelateria Da Vinci ein extrem leckeres Eis genehmigten. Viele tolle Sorten machten die Auswahl allerdings schwer – das Lokal ist aber auf jeden Fall eine klare Empfehlung!
Eis aus dem Da Vinci
Mit Pferdekutschen in die Vergangenheit
Super gut gelaunt liefen wir wieder zum Marktplatz, wo uns eine Überraschung erwartete. Viele historische Kutschen mit zeitgerecht hergerichteten Kutschern, Mitfahrern & Co stellten sich gerade zu einer kleinen Parade auf, beobachtet von den Massen auf dem Platz. Auch eine super schöne Postkutsche mit gleich 4 vorgespannten Pferden war darunter. Wir positionierten uns am Denkmal auf leicht erhöhter Lage, so dass wir super sehen konnten. Tolle Sache, die uns gerade recht kam, weil wir ohnehin nichts Konkretes vorhatten.
Historische Pferdekutschen
Aufstellen zur Parade
Im Anschluss daran visierten wir den Koningin Astridpark an, auf dessen Weg wir nicht nur erneut über die vielen, leckeren Schokoladen-Läden stolperten – ich kam nicht umhin, in dem ein oder anderen reinzuschnuppern und eine Gratis-Praline abzustauben – sondern zufällig auch über das Folter-Museum!
Schokoladen-Läden ohne Ende
Yummy! Einfach nur lecker!
Foltermuseum
Davon hatte ich noch gar nicht gelesen, aber sowohl mich als auch Lucas zog es da sofort rein. 20 Euro waren zwar erneut nicht ganz billig, aber dafür war das Museum auch wirklich toll gemacht. Viele Wachsfiguren und Folterwerkzeuge zeigten sehr anschaulich, wie man Menschen in früherer Zeit Schmerzen und mehr als nur Unbehagen zubereitet hatte. Lucas war fasziniert und schockiert zugleich – ich fand aber trotzdem, dass das Museum auch für Kinder in dem Alter okay geht. Hier geht es nicht um Horror oder gruseliger, realistischer Gewaltanschauung, sondern tatsächlich um die Funktionsweise der einzelnen Werkzeuge bzw. Foltermethoden. Und Lucas ist alt und inzwischen auch erfahren genug, damit umgehen zu können und zu verstehen, dass das Mittelalter eben nicht nur die romantische Ritterzeit war, für die viele es halten. Ich find‘s sogar ganz gut, wenn er begreift, wie gut es uns heute eigentlich geht und wie furchtbar es war, dass Konflikte sowohl in verganger als auch – leider – in heutiger Zeit mit Gewalt ausgetragen wurden und werden.
Unterwegs im Foltermuseum
Möchte ich nicht drauf liegen!
Autsch!
Koningin Astridpark
Nach diesem illustren Abstecher ging es dann tatsächlich in den Koningin Astridpark, in dem wir einfach nur eine kleine Runde drehten. Er war weniger schön als der Minnewater Park, aber trotzdem ebenfalls einen Spaziergang wert. Bevor es nun wieder über den Grote Markt zurück zum Hotel ging, genehmigte sich Susi eine letzte, leckere belgische Waffel mit frischen Erdbeeren.
Fassade am Grote Markt
Ciao, Brügge!
Für uns alle 3 war klar – Brügge ist einfach nur genial. Tolle Stadt und das in jeder Hinsicht!! Gent dagegen gefiel uns nur bedingt – wahrscheinlich, weil wir Brügge einfach zuerst kennen und lieben gelernt hatten.
Reiseberichte unserer BeNeLux Reise in der Übersicht:
Tag 1 – Mit dem Auto über Straßburg und Metz nach Luxemburg
Tag 2 – Luxemburg Stadt und der Großherzogliche Palast
Tag 3 – Unterwegs im Mullerthal – Burg Beaufort & Burg Bourscheid
Tag 4 – Schloss Vianden, Clervaux & Burg Esch-sur-Sûre
Tag 5 – Burg Bouillon & La Roche-en-Ardenne
Tag 6 – Spaß mit Skulpturen in Durbuy und unter Tage in Hotton
Tag 7 – Zu Gast im Schloss Modave und im Historium Brugge
Tag 8 – Brügge und seine Sehenswürdigkeiten erleben
Tag 9 – Warum Gent uns nur bedingt gefiel!
Tag 10 – Sehenswürdigkeiten Antwerpen – Von Hafen bis Zoo
Tag 11 – Von Windmühlen in Kinderdijk und spannender Architektur in Rotterdam
Tag 12 – Über Alkmaar und Enkhuizen nach Amsterdam!
Tag 13 – Auf der Suche nach Amsterdams Sehenswürdigkeiten
Tag 14 – Über Burg Eltz zurück nach Freiburg & unser Reise Fazit
Ich freue mich über Feedback und beantworte dir gern deine Fragen zu den BeNeLux Staaten!
Guter Bericht und hatten uns daher überlegt zumindest einen kleinen Trip hierher zu machen. Leider spielte das Wetter nicht ganz mit, aber noch viel schlimmer war das derzeitig dort stattfindende Fest Polé Polé, was vom Ausmaß her größer war als erwartet. Kann keinem empfehlen in diesem Zeitraum in die Stadt zu gehen man wird keine guten Fotos hinbekommen, es ist alles voller Müll und natürlich voll betrunkener gröhlender Menschen. Die Bühnen und Beleuchtungen machen leider das ganze Stadtbild kaputt. Schade. Nun geht es eben zurück.
Oha, das klingt tatsächlich weniger schön. Bin selbst auch kein Fan so großer Feste. Schade, dass ihr da ein wenig Pech hattet :-/
Lg Michael
[…] anfangen!» Die Meinungen anderer Bloggerinnen und Blogger halten sich die Waage. Einige sind von Gent enttäuscht und sehen in Brügge das Maß aller belgischen Dinge. Andere wiederum hassen Brügge, […]