„Wir gehen auf Weltreise.“ – ein Satz, der leicht daher gesagt ist und hinter dem doch unglaublich viele Gedanken stecken, denn die Entscheidung für eine Weltreise ist in der Regel ein längerer Prozess. Wo in diesem Prozess ich stecke und wie und warum wir uns für eine Weltreise entschieden haben, die wir von langer Hand planen werden, möchte ich dir in diesem ersten Artikel eine längeren Serie verraten.
Übersicht
Soll ich es wagen?
Wenn ich Reiseblogs von Weltreisenden lese oder mich mit Menschen in meinem Umfeld unterhalte, dann bekomme ich das Gefühl, dass es nur zwei Gruppen von Menschen gibt. Die einen verfechten sinngemäß die These, dass jeglicher Alltag in einem „normalen“ Beruf nur ein „Hamsterrad“ wäre, dass man verlassen müsste, um frei zu sein und um das Leben zu genießen. Die anderen dagegen halten das für Blödsinn und würden nie auf die Idee kommen, das Risiko auf sich zu nehmen, und Job, Wohnung und Alltag für eine solche Reise hinter sich zu lassen.
„If you can dream it, you can do it.“
– Walt Disney
Und dazwischen? Gibt es nichts? Ich kann mich mit keiner von beiden Gruppen anfreunden. Ich mag meinen Alltag. Ich habe Familie, einen Sohn, Verantwortung. Mein Job macht mir Spaß. Ich verdiene als Software Architekt in der Medizintechnik gutes Geld, habe ein gewisses Standing in meiner Firma und wäre wohl verrückt, wenn ich das von Heute auf Morgen aufgeben würde.
Aber es spricht so vieles dagegen.
Auf der anderen Seite reise ich aber auch gern und möchte mir den Traum einer Weltreise erfüllen. Vielleicht sogar tatsächlich damit aus dem bisherigen Alltag „aussteigen“und mein Leben in eine andere Richtung treiben lassen. Denn 40 Jahre bis zur Rente im gleichen Job ist sicherlich nicht das, was ich mir als Lebensziel setze. Aber ist das wirklich so einfach, wie viele digitalen Nomaden predigen? Einfach kündigen, alles aufgeben und deinen Traum leben? Was mir auffällt, wenn ich solch einseitige Floskeln lese, ist, dass die Mehrzahl dieser Verfechter der ultimativen Freiheit entweder sehr jung sind oder aber aus Jobs kommen, die ihnen keinen Spaß machen oder die – ich sag’s mal vorsichtig – ohnehin eher wechselnder Natur oder eben auch nicht in einem sehr gut bezahlten Bereich liegen. Klar ist solch eine Entscheidung einfacher, wenn man gerade das Studium beendet hat, noch keine Kinder hat und eben nicht mehrere Tausend Euro im Monat in einem Job verdient, der einem zugleich auch Spaß macht. Und mal ganz ehrlich, wie viele Blogger und Aussteiger kennt ihr, die auch noch ein oder zwei Jahre NACH ihrer Weltreise genauso optimistisch und überzeugend diesen Standpunkt vertreten? Ganz klar, natürlich gibt es die. Aber die breite Masse an Weltreise-Blogger verschwindet doch sang- und klanglos wieder von der Bildfläche. Ja, ich weiß, das ist jetzt stark überspitzt ausgedrückt, aber ist es nicht tatsächlich so?
Auf zu neuen Horizonten!
Eine Weltreise bietet Chancen.
Sicher, die einmaligen Erfahrungen, die eine Weltreise mit sich bringt, kann ihnen niemand mehr nehmen und vermutlich zehren sie davon viele Jahre lang. So eine Weltreise ist natürlich ein unglaublich aufregendes und schönes Abenteuer. Aber wer kann 3 oder 5 Jahre danach tatsächlich davon leben? Ist es nicht tatsächlich eher so, dass viele im Anschluss wieder „diesen Alltag“ aufnehmen, den sie zuvor so lautstark verteufelt haben? Vielleicht nicht im gleichen aus ihrer Sicht langweiligen Bürojob wie zuvor. Vielleicht in einer neuen Branche, als Berater, mit mehr Selbstbewusstsein und durchaus als „anderer“ Mensch. Aber letztendlich eben doch „wieder im Alltag“ angekommen. Einige Blogs, die ich verfolgt habe, die vor oder während solcher Reisen entstanden sind, haben noch kurz nach Ende der Reise einen gewissen Schwung, verlieren sich dann aber alsbald mangels neuem Content oder vielleicht auch mangels Zeit im Nirwana des Internets.
Aber, um jetzt mal den Bogen zur anderen Gruppe zu spannen, ist es besser, es gar nicht erst zu versuchen? Von vorhinein jegliches Risiko zu verteufeln und möglicherweise latent vorhandene Träume zu unterdrücken oder sich einzureden, später im Alter, „nach dem Berufsleben“ das alles nachzuholen? Ich glaube nicht. Was nützt einem das Geld, die Zeit, wenn man im Rentenalter vielleicht gesundheitlich gar nicht mehr in der Lage ist, eine solche Reise zu unternehmen? Hat man dann tatsächlich überhaupt noch Lust dazu? Ich zweifle.
„In zwanzig Jahren wirst Du mehr enttäuscht sein von den Dingen die Du nicht getan hast, als von den Dingen, die Du getan hast. Also wirf die Leinen los. Verlasse den sicheren Hafen. Lass den Passatwind in Deine Segel wehen. Erforsche. Träume. Entdecke.“
–Mark Twain
Und genau darum sehe ich mich weder in dem einen noch in dem anderen Lager. Ja, ich möchte meinen Traum wahr machen. Ja, ich möchte etwas von der Welt sehen. Aber ich möchte auch die entsprechenden finanziellen Mittel haben, um mir auf einer solchen Reise viele Träume zu erfüllen. Ich möchte weder trampen, noch mit dem Rucksack tagelang staubige Straßen bewandern. Ich möchte auch nicht während der Reise oder hinterher bereuen, diesen Schritt gegangen zu sein. Ich möchte meiner Verantwortung gegenüber meiner Familie gerecht werden. Und ich möchte das finanzielle Risiko klein halten und trotzdem ein abgesichertes Leben führen. Kurz, ich werde mir diesen Traum wohlüberlegt und Schritt für Schritt erarbeiten.
Ich habe mich entschieden!
Von heute auf Morgen die Zelte abbrechen, das Wagnis eingehen und hoffen, dass ich im Laufe der Zeit mit den Erlebnissen einer Weltreise, die ich auf meinem Blog niederschreibe, leben kann, ist mir zu wenig. Ich möchte erst meinen Blog entsprechend aufbauen und mir damit ein Einkommen generieren. Ich betrachte eine Weltreise nicht als Sprungbrett für meinen Blog, sondern meinen Blog als Sprungbrett für eine Weltreise! Ich war noch nie jemand, der gern unkalkulierbare Risiken eingegangen ist, was nicht heißt, dass ich Risiken scheue. Ich habe schon mit Optionen gehandelt und spekuliert – aber nie, ohne genau zu wissen, was ich tue. Ich weiß, wie viel Risiko ich eingehen kann und wann es klüger ist, es sein zu lassen. Ich glaube tatsächlich, dass ein Leben auf Reisen, wenn man davon leben kann, wunderschön ist. Aber ich werde dieses Leben genau dann beginnen zu leben, wenn ich weiß, dass ich es mir auch in der Form, die mir vorschwebt nachhaltig leisten kann.
Die ersten Schritte auf diesem Weg habe ich bereits mit meinem Blog und meinem Projekt Weltreise eingeschlagen. Mit jedem kleinen Erfolg wird die Vorfreude ein wenig größer. Das Beschäftigen mit dem Thema, das drüber-Schreiben nimmt Ängste. Zu sehen, wie mein Blog sich langsam aber stetig entwickelt, gibt Zuversicht.
Weltreise, ich komme!
Jeder neue Tag bietet neue Chancen!
Nachfolgend möchte ich dir noch ein paar Anregungen geben für mögliche Fragestellungen oder Gedanken, die bei der Entscheidung für eine Weltreise eine Rolle spielen können. Wichtig, finde ich, ist es, sich selbst Gedanken zu machen und nicht auf den Aussagen anderer blind zu vertrauen.
Denn die Entscheidung für eine Weltreise kann einem niemand abnehmen!
Wichtige Punkte bei der Entscheidung für eine Weltreise
Worin liegen Ängste und Risiken?
- Wird eine Auszeit mir einen Karriereknick bescheren?
- Wie groß ist das gesundheitliche Risiko in Ländern mit schlechterer medizinischer Versorgung?
- Kann ich es mir finanziell leisten?
- Komme ich damit klar, monatelang nur aus Koffern / Rucksack zu leben?
- Was ist mit Familie und Freunden? Werde ich mich entfremden?
- Wird meine Beziehung diese Auszeit überleben? / Wird meine Beziehung diese gemeinsame Reise verkraften?
- Weltreise mit Kindern – geht das überhaupt? Oder bedeutet es, ich muss einen möglichen Kinderwunsch aufschieben?
- Werde ich hinterher wieder einen Job finden?
- Werde ich mich nach der Reise überhaupt noch wohl fühlen in meinem alten Umfeld?
- Was, wenn ich mittendrin entdecke, dass mir das keinen Spaß mehr macht? Abrechen?
- Was mache ich mit meiner Wohnung, meinem Auto? Abmelden? Verkaufen? Was, wenn in der Zeit eingebrochen wird?
Was eine Weltreise alles bringen kann!
- Unglaublich tolle Erfahrungen.
- Erweiterung des eigenen Horizontes.
- Man lernt viel über sich selbst.
- Die eigene Sicht auf Dinge ändert sich.
- Man erkennt, was wirklich wichtig ist im Leben.
- Neue Türen öffnen sich.
- Neue Kulturen und spannende Orte kennen lernen.
- Man lernt viele neue Menschen kennen, kann interessante Kontakte knüpfen.
- Im Berufsleben gilt eine solche Auszeit heutzutage sogar oft als Stärke / Vorteil.
- Vielleicht ist die Reise ein Sprungbrett für eine neue Karriere.
- Mehr Selbstvertrauen.
- Freiheit.
Ich hoffe, meine Gedanken und meine Anregungen helfen auch dir bei der Entscheidung für eine Weltreise. Und wer weiß, vielleicht wird diese ja dann länger, als du denkst – siehe Gunther Holtorf.
Träumst du auch davon, eines Tages auf Weltreise zu gehen oder hast es bereits getan? Erzähl mir davon!
[…] von Erkunde die Welt träumt bereits länger von einer Weltreise und weiß schon genau, wann er sie starten wird: im […]
Hallo Michael,
mit Deiner Einstellung zum Thema Reiseblogs sprichst Du mir aus der Seele. Manchmal empfinde ich es sogar so, dass so manche Blogger einem den „Alltag“ und das „normale“ Leben schlecht reden wollen. Genau dann, bei solchen Blogs habe ich den Eindruck, dass diese Menschen eigentlich mit sich und ihrem Leben bisher extrem unzufrieden gewesen sein mussten.
Ich liebe mein Leben und meinen Alltag, ich habe sehr viel was mich hier glücklich macht und warum ich hier gerne bin.
Und ich liebe das Reisen.
Daher sehe ich mich persönlich auch keinem dieser Lager zugeordnet sondern vertrete hierzu meinen eigenen Standpunkt. Ich denke, es gibt noch viel mehr Leute mit dieser Einstellung sowie Dich und mich, nur schreien die nicht so laut, weil sie zufrieden sind! ;-)
Natürlich hege auch ich den Wunsch, auf eine längere Reise aufzubrechen.
Genau so gerne werde ich danach aber auch wieder in meine Heimat und zu meiner Familie zurückkehren. Ich habe auch nicht den Wunsch, ein anderer Mensch zu werden. Vielleicht nur ein bisschen weiser ;-)
Viele Grüße
Verena
Hallo Verena,
du sprichst mir dabei aus der Seele. Schön, dass nicht nur ich das so sehe. Diese Polarisierung, die manche Blogs betreiben bzw. ihre Aussage, dass nur ihr „Way of Life“ der einzig richtige ist, empfinde ich als reinen Marketing-Blödsinn. Leben und leben lassen. ..
Lass uns einfach ein eigenes Lager aufmachen! ;-)
Lg Michael
Hallo Michael,
erstmal finde ich es gut, dass du dich finanziell sicher fühlen willst. Ich bin da nämlich genau deiner Meinung. Viele derer, die nie wirklich Geld verdient haben denken, dass sie direkt nach der Schule sich durch das reine Weltreisen einen Lebensunterhalt aufstellen können.
Ich bin selber „nur“ 20 Monate als Backpacker damals durch die Welt gereist, als es noch keinen „Reiseblogger-Hype“ gab. Davor habe ich mir mit 3 Jobs das Geld hart zusammen gespart. So war das damals noch. Keine Sponsoren, kein gar nichts. Dafür habe ich in Australien und Neuseeland gearbeitet.
4 Jahre danach habe ich im Ausland als Schlittenhundeguide und in einem Gästehaus für sehr wenig Geld gearbeitet. Es waren tolle Jobs die ich nicht missen möchte, aber jetzt, wo ich einen Job habe der mir Spaß macht (zwar immernoch mit Reisen zu tun hat, aber naja), möchte ich diesen nicht mehr aufgeben. Ich möchte mir Geld zusammen sparen und dann einfach reisen gehen können.
Wirklich ein toller Bericht und ich bin schon jetzt auf die Weltreise gespannt.
LG Mel
Hallo Mel,
vielen lieben Dank für deine Worte und das Teilen deiner Erfahrungen! Und ja, das Wort „Hype“ ist sicherlich richtig. Ich weiß gar nicht, warum plötzlich jeder zu glauben scheint, man müsse nur einfach losziehen und dann erwartet einem in der Welt „das Paradies“. Getreu dem Motto: Finanzierung wird sich schon finden. Ich denke, dieses rosarote-Brillen-Denken kann fatal enden. Mag gut gehen, aber in der breiten Masse funktioniert das sicherlich nicht. Manchmal muss man sich Träume und Wünsche eben erst hart erarbeiten und zusammensparen. Um so größer dann die Freude bei der Realisierung, finde ich.
Hi Michael. Ich glaube ohne „Alltag“ geht es einfach nicht. Die Frage ist nur, wie man seinen Alltag gestaltet.
Ich glaube auch nicht, dass man auf Reisen richtig arbeiten kann, da würde ich längere Aufenthalte an verschiedenen Orten vorziehen. Also nicht Weltreise sondern Weltbürger! :)
Aber auch als Auszeit – oder neudeutsch Sabbatical – sollte man auf jeden Fall reisen. Würde das jeder machen, hätten wir eine bessere Welt. Davon bin ich überzeugt.
Einziges Problem dabei ist der Klimaschutz, da müsste man sich noch etwas überlegen.
Liebe Grüße,
Marc
Ja, da stimme ich dir zu. Ich bin ebenfalls überzeugt davon, dass die Welt viel weniger voll von Vorurteilen wäre, würden mehr Menschen über den sogenannten Tellerrand schauen. Die Menschen würden bewusster leben und würden vielleicht auch für uns in den westlichen Industrie-Nationen lebenden Menschen selbstverständliche Dinge mehr zu schätzen wissen.
Das mit dem Klimaschutz ist übrigens ein guter Einwurf. Kein einfaches Thema, um das ich mir auch zunehmend mehr Gedanken mache. Stichwort Ökologischer Fußabdruck. Hmm, muss ich auch mal was zu schreiben, dünkt mich.
Lg Michael