Ich habe die neue, spiegellose Vollformatkamera Canon EOS R ausführlichen Tests unterzogen. Was es über die Kamera alles zu wissen gibt, ob sie für Canon wirklich das nächste große Ding ist und welche Strategie dahinter steckt, erfährst du in diesem Testbericht.

Canon EOS R Testbericht - Frontseite

Ich muss zugeben, ich war schon lange nicht mehr bei einem Kameratest so neugierig, gespannt und aufgeregt zugleich. Die Canon EOS R hatte für zuvor schon auf dem Papier das Zeug zum Game Changer für Canon. Entsprechend gespannt war ich, wie sie sich anfühlen würde und ob sich mein theoretischer Eindruck auch in der Praxis bestätigen würde.

Lieferumfang

Mir liegt die Canon EOS R im Paket mit dem Objektivadapter EF-EOS R und dem feinen RF 24-105mm f/4 L IS USM, das ich in einem separaten Testbericht beleuchten werde, vor. Im großen Karton finde ich folgendes:

  • EOS R Gehäuse
  • RF 24-105mm f/4 L IS USM Objektiv
  • Bajonettadapter EF-EOS R
  • Akku LP-E6N
  • Akkuladegerät LC-E6E
  • Kamera-Gehäusedeckel R-F-5
  • Tragegurt ER-EOS R
  • Streulichtblende EW-83N
  • Objektivbeutel LP1319
  • Objektivdeckel E-77 II
  • Objektivrückdeckel RF
  • Kamera-Gehäusedeckel R-F-3
  • 2 x Objektivrückdeckel RF
  • Netzkabel
  • Schnittstellenkabel IFC-100U (ohne Schutz)
  • USB-Kabel-Schutz IFC-100U
  • Anleitungen

Alles in allem also eine solide Ausstattung, die keine Wünsche offen lässt.

Erster Eindruck

Schon beim Auspacken der Kamera und dem ersten aufmerksamen Betrachten fallen ein paar Dinge auf. Die Canon EOS R ist kompakter als die vergleichbaren DSLRs und besitzt ein gänzlich neues Bedienkonzept. Ich entdecke eine mir unbekannte Touchbar. Die Bedienknöpfe sind teils deutlich anders angeordnet. Es gibt kein Programmwahlrad mehr. Der Ein- und Ausschalter an der Oberseite ist anders gestaltet.

Canon EOS R Testbericht - Ein- und Ausschalter Oberseite

Das quadratische Schulterdisplay und der Knopf zum Start der Aufnahme von Videos gefallen – ebenso natürlich wie das dreh- und klappbare Touchdisplay. Letzteres zeigt sich nach dem Einschalten brillant und scharf. Toll außerdem – auch bei der EOS R kommen LP-E6N Akkus zur Anwendung. Für Umsteiger von der 6DMII oder 7DMII eine nette Sache.

Canon EOS R Testbericht - Schulterdisplay Oberseite

Die Kamera liegt sofort gut in der Hand, auch wenn die Bedienung zunächst ungewohnt erscheint. Aber schon die ersten Bilder, bei denen ich mit ein paar Tulpen in der Küche spiele überzeugen mich und wecken in mir sofort das Verlangen, loszuziehen. Leider ist der Tag trüb und trist, aber das hält mich nicht davon ab, genau das zu tun.

Ich werde schnell warm mit dem neuen Bedienkonzept und beginne mich sofort, in die Kamera zu verlieben. Sie ist ein wenig handlicher als meine eigenen Kameras, überzeugt sofort von der Bildqualität her und gefällt mir auch von der Bedienung von Foto zu Foto mehr. Einzig mit der Touchbar, auf die ich mir die ISO Einstellungen gelegt habe, werde ich noch nicht so richtig warm. Aber vielleicht ist das ja auch nur eine Gewohnheitssache.

Canon EOS R Testbericht - Rückseite

Mir ist schnell klar, dass ich die Kamera unbedingt mit all meinen Objektiven testen muss, denn – ich erwäge schon jetzt ernsthaft einen Kauf dieser tollen Kamera. Entsprechend unternehme ich in den folgenden Wochen verschiedene fotografische Spaziergänge – u.a. mit dem 70-300 L IS USM, dem 24-70 L IS USM, dem Standard RF 24-105 L IS USM.

Technische Details

HerstellerCanon
ModellEOS R
Kameratypspiegellose System-Digitalkamera (DSLM)
Objektiv-BajonettCanon RF
SensorCMOS, 36 x 24 mm
Maximale Bildauflösung6.720 x 4.480 Bildpunkte
Cropfaktor1.0
Megapixel (effektiv)30.3
Bild-FormatJPEG, RAW
AF-MessfelderPhasenvergleich-Autofokus mit 5.655 Sensoren
Serienbildgeschwindigkeit8 B/s mit festgelegtem AF
5 B/s mit Servo AF
Video-Auflösung3.840 x 2.160 Bildpunkte (MP4-Video: 4K )
1.920 x 1.080 Bildpunkte (Full-HD)
1.280 x 720 Bildpunkte (HD 16:9)
Video-Frequenz4K: 30 Bilder pro Sekunde
Full-HD: 60 Bilder pro Sekunde
HD: 120 Bilder pro Sekunde
Video-FormatMP4 (Codec H.264)
Speicherkarte1x SD/SDHC/SDXC und UHS-II
Akku1.865 mAh, reicht für 370 Bilder
SchnittstellenBlitzsynchro-Anschluss, Funktionshandgriff-Anschluss, GPS extern, SuperSpeed USB 3.1 USB C, WLAN, HDMI-Ministecker Ausgang (Typ C, HDMI-CEC kompatibel), Eingang externes Mikrofon / Eingang (Miniklinke Stereo), Kopfhöreranschluss (Miniklinke Stereo), E3-Schnittstelle (Fernauslöser)
Displaygröße3,2 Zoll Clear View LCD II (2.100.000 Bildpunkte)
Monitoreigenschaftenschwenkbar um 270°, drehbar um 180°, mit Touchscreen, Helligkeit einstellbar,
SucherVideosucher (100 % Bildfeldabdeckung) mit 3.690.000 Bildpunkten, 0,76-fach Vergrößerungsfaktor, Dioptrienausgleich (-4,0 bis 2,0 dpt)
ISO Empfindlichkeit50, 100, 200, 400, 800, 1.600, 3.200, 6.400, 12.800, 25.600, 51.200, 102.400
Selbstauslöser2 sek, 10 sek
BildprozessorDIGIC 8
Belichtungskorrektur-3,0 bis +3,0 EV mit Schrittgröße von 1/3 bis 1/2 EV
Programm-ModiProgrammautomatik
Blendenautomatik
Zeitautomatik
Manuell (Fotos und Videos)
Bulb
3 Custom-Programme
Automatische Motiverkennung: Gesicht, Auge
WahlräderMultifunktions-Touch Bar
Schnellwahlrad
LC-Display oben auf der Kamera
BildverarbeitungTonwert Priorität
Automatische Belichtungsoptimierung (4 Einstellungen)
Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtung
Rauschreduzierung bei Aufnahmen mit hoher ISO-Empfindlichkeit (4 Einstellungen) (Fotos und Videos)
Objektivkorrektur:
- Korrektur von Objektiv-Vignettierung, Chromatische Aberrationskorrektur Verzeichnungskorrektur (während/nach Fotoaufnahmen, nur bei Videoaufnahmen)
- Beugungskorrektur, Digital Lens Optimizer (während/nach Fotoaufnahmen)
Größenanpassung in M, S1, S22
Zuschnitt: JPEG-Aufnahmen können kameraintern zugeschnitten werden (Seitenverhältnis 3:2, 4:3, 16:9 oder 1:1)
- 45 Zuschnittgrößen wählbar, von 11 % bis 95 % (diagonal)
- Umschaltung zwischen Zuschnitt im Hoch- und Querformat
- Bildausrichtung
- Der Zuschnittrahmen lässt sich über den Touchscreen verlagern
RAW-Bildverarbeitung
Mehrfachbelichtung
HDR
BesonderheitenSensorreinigungssystem
Touch Leiste
143 AF-Areale
Drei Speicherplätze für Picture Styles
OLED Videosucher
Gitter einblendbar (3 x 3, 6 x 4, 3 x 3 + Diagonale)
Video-ISO (100-102.400)
Belichtungskorrektur Video (-3 bis +3 EV in 1/3 und 1/2 Stufen)
Dual Pixel RAW-Support
Gehäuse aus Magnesiumlegierung und Polykarbonat mit Glasfaserkunststoff-Teilen
1 x UHS-II SD Speicherkartenslot
Größe139 mm x 98 mm x 84 mm
Gewicht651 g (inkl. Akku)
UVP Preis2.499 Euro

Praxistest

Das neue RF Objektiv habe ich u.a. auf einem Ausflug zur Hochburg Emmendingen ausführlich getestet. Es hat mich sofort – genau wie die Kamera selbst – überzeugt. Durchweg scharfe, kontrastreiche Bilder, ein für mich als Reiseblogger toller Brennweitenrange und das ausbalanzierte Handling machen das Fotografieren zum echten Vergnügen.

Auf einem anderen Ausflug habe ich mir vor allem den einfach einzusetzenden Adapter in Kombination mit meinem Lieblings-Tele, dem 70-300 L IS USM angeschaut. Auch diese Kombination funktioniert hervorragend. Ich habe keine Einschränkungen feststellen können. Heißt also, als EOS R Besitzer kannst du bedenkenlos auch weiterhin deine vorhandenen EF-Objektive nutzen.

Canon EOS R Testbericht - Teleobjektiv mit Adapter

Auch mein Standard-Immerdrauf, das EF 24-70 L IS USM habe ich natürlich ebenfalls ausführlich an der Canon EOS R getestet, denn bevor ich im Falle des Umstiegs einen kompletten Zoo an RF-Objektiven besitzen werde, werde ich wohl noch längere Zeit mit Adapter und den vorhandenen EF-Objektiven unterwegs sein. Aber auch diese Kombi hat mich komplett überzeugt.

Folgende Kombinationen habe ich besonders ausführlich getestet:

Nachfolgend einige der Bilder, die auf meinen fotografischen Spaziergängen mit den unterschiedlichen Kamera-Objektiv-Kombinationen entstanden: