Heute gibt es mal wieder einen etwas anderen Blog von mir. Ich vermisse das Reisen. Mich nervt Corona. Auch in diesem Jahr hängen unsere Reisepläne wieder am seidenen Faden – Delta Mutante sei Dank. Aber darum soll es heute gar nicht gehen. Mir ist durch Corona mehr noch als je zuvor etwas bewusst geworden – wie privilegiert wir hier alle in Europa doch sind.

Blenden wir einmal kurz Corona völlig aus. Dann schaue ich zurück auf wundervolle Reisen auf ferne Kontinente. Ich konnte in meinem Leben bereits zahlreiche Orte besuchen, die ich als Kind nur aus Filmen kannte. Ich habe eine hervorragende Schulbildung genießen dürfen. Habe ein Studium absolviert. Ich habe einen tollen, gut bezahlten Job, der mich zusätzlich sogar privilegiert, mit meiner Arbeit an Produkten beteiligt zu sein, die Menschen helfen und ihnen ein besseres, gesünderes Leben ermöglicht. Ich habe nie einen Krieg erlebt und durfte in Freiheit aufwachsen. Hatte das Glück, seit der Wiedervereinigung Deutschlands, die ich mit 12 Jahren erlebte, in einer Demokratie aufzuwachsen – selbstbestimmt, frei, glücklich.

Leider ist das jedoch auch heute noch für viele Millionen Menschen ein Traum. Ein Leben, dass viele sich nicht mal vorstellen können.

Aber wie komme ich grad heute da drauf, genau darüber zu schreiben?

Nun, ich bin ein ziemlicher Film Junkie und gerade habe ich mal wieder einen Film gesehen, der mich wirklich berührt hat: „Harriet – Der Weg in die Freiheit“. Der Film erzählt vom Leben der bekanntesten afroamerikanischen Fluchthelferin Harriet Tubman, die selbst der Sklaverei entkommen konnte. Erschienen 2019, handelnd im 19. Jahrhundert, könnte der Film nicht aktueller sein.

Eigentlich sollte man meinen, dass wir heute diese schreckliche Epoche, diese furchtbaren, menschenverachtenden Zeiten längst hinter uns gelassen haben. Und doch spielt es in vielen Ländern auch heute noch eine Rolle, ob du schwarz oder weiß bist – selbst in den Vereinigten Staaten von Amerika, dem selbst ernannten Leuchtfeuer für Demokratie.

Ich will gar nicht erst wieder von Trump anfangen. Aber dieser furchtbare Narzisst hat gezeigt, wie anfällig auch heute noch viele Menschen für rassistische und nationalistische Ideen sind. Eigentlich kaum vorstellbar, wie Geld und Macht auch heute noch einem Mann wie Trump an die Macht bringen können, um die Schatten der Vergangenheit, die Erinnerung an Bürgerkrieg, an Rassentrennung hervorzubeschwören und ähnlichem Gedankengut erneut einen Nährboden zu bieten.

Ich kann mir kaum vorstellen, wie das Leben als Sklave einst gewesen sein muss. Menschen, die in den Augen ihrer Master nur ein Besitz sind – ohne Rechte, ohne Wert – abgesehen von ihrer Arbeitskraft, für die sie nichts weiter bekamen, als am Leben zu bleiben. Aber war das wirklich ein Leben?

Mich hat der Film tief berührt. Ich habe mich mit dem Thema schon oft beschäftigt. Aber der Film hat mir wieder mal bewusst gemacht, wie wenig wir diese Vergangenheit erst hinter uns gelassen haben. Ich weise nur auf das Schicksal von George Floyd. Ob der furchtbaren Taten der Sklavenhändler einst, den noch grausameren Gräueltaten der Nazis während des Zweiten Weltkriegs oder die Unterdrückung von Minderheiten auch heutzutage – wie können wir Menschen uns nur anmaßen, zu behaupten, wir wären besser als ein anderer Mensch – nur weil wir das Glück hatten, in einem privilegierten Kreis hineingeboren worden zu sein oder weil wir anderer Herkunft oder Hautfarbe sind?

Das Leben und die eigene Freiheit halte ich für eines der wertvollsten Güter, die wir haben. Und das Recht auf beide sollte jeder Mensch haben. Vorurteile, Erniedrigungen, Hass – nur wegen einer anderen Hautfarbe, Herkunft oder gar sexuellen Vorliebe oder politischen Ansichten erleben zu müssen – für viele Menschen ist das leider auch heute noch Alltag – selbst in fortschrittlichen Industrieländern wie dem unseren.

Wir Menschen haben schon so viel erreicht. Wir können Gene manipulieren, waren auf dem Mond, unterhalten uns mittels kleiner, selbstgebauter elektronischer Geräte über den halben Erdball hinweg, sind über uns selbst hinausgewachsen.

Wir schafften es, eine weltweite Pandemie nach nur wenigen Monaten mit einem Impfstoff – basierend auf völlig neuen Technologien entgegenzutreten. Wir haben technische Maschinen ins All geschickt, die unglaubliche technische Höchstleistungen vollbringen – und doch gibt es noch immer so viel rückständiges Denken, Unterdrückungen, Kriege, Menschen, die sich selbst im Recht sehen, über andere zu bestimmen, herrschen oder ihnen gar Rechte, Freiheiten und Menschenwürde absprechen.

Unfassbar, wie rückständig doch weite Teile der Menschheit noch sind. Unfassbar, wie wir trotz all dieses Wissen, das wir exponentiell ansammeln auch weiterhin unseren schönen Planeten zerstören. Wie Macht und Geld auch heute noch nach tausenden Jahren Entwicklungsgeschichte das Leben und Handeln der meisten Menschen bestimmen.

Ist das gar unsere Natur? Ist das ein Grund dafür, dass wir uns überhaupt immer weiterentwickeln? Darwin lässt grüßen?

Ja, auch ich gehöre zu diesen privilegierten Menschen. Auch ich profitiere indirekt vom weniger guten Leben anderer – von der Arbeit von Menschen in so genannten Entwicklungsländern, von Niedrig-Lohn-Niveau-Ländern, wo Waren hergestellt werden, die auch ich konsumiere. Und trotzdem behaupte ich mal, dass mir das zumindest bewusst ist. Dass ich im Kleinen versuche, Dinge anders oder besser zu machen. Zum Beispiel, indem mir Nachhaltigkeit wichtig ist. Ich lieber ein paar Euro mehr für faire Trade Waren zahle. Oder ich über Spenden versuche, anderen zu helfen etc pp. Eigentlich will ich darauf gar nicht weiter eingehen, denn na klar, jeder von uns sollte und kann mehr leisten, um die Welt von Morgen besser zu machen. Auch ich selbst.

Und trotzdem muss ich nochmal gedanklich zurück in die Sklaverei.

Ist es nicht unfassbar, abscheulich und eigentlich kaum vorstellbar, was ein Teil der Menschheit einem anderen Teil auf dem gleichen Planeten antun kann?

1776 gab es in den USA mehr als 460.000 Sklaven. Erst 1865 wurde die Sklaverei dort verboten. Gar erst 1960 wurde die Rassentrennung abgeschafft. Kein Wunder, dass die Gräben im Land auch heute noch so tief sind.

Grundsätzlich liegen die Anfänge der Sklaverei sogar schon im Altertum. Die ägyptischen Pyramiden gäbe es ohne Sklaverei heute vermutlich nicht in der Form. Auf Sklaverei beruhende Gesellschaftsformen waren bis zum 19. Jahrhundert weltweit verbreitet.

Aber sollte die aufgeklärte Menschheit von heute nicht endlich dieses dunkle Kapitel abschließen können bzw. müssen?! Ich für meinen Teile habe keinerlei Verständnis für solches Denken, für Rassismus, für Diktatoren, für Menschenrechtsverletzungen und Unterdrückungen.

Ist es nicht unfassbar, dass in der größten Demokratie der Welt, den USA, Republikaner auch heute noch versuchen, Menschen schwarzer Hautfarbe und anderen Minderheiten freie Wahlen zu erschweren, ganz legal Gesetze erlassen, um das Wahlrecht dieser „nicht weißen Amerikaner“ zu beschneiden, um selbst an der Macht zu bleiben? Erst im März dieses Jahres wurde in Georgia wieder ein Gesetz erlassen, das Minderheiten benachteiligt und Schwarzen das Wählen erschwert. Und das im Jahre 2021!

Gott sei Dank haben wir Trump hinter uns gelassen – auch wenn Auswirkungen seines Handelns noch länger spürbar sein werden. Ich kann nur an Amerika und an den rechtmäßig gewählten Präsidenten Joe Biden appellieren, die Schwächen in der eigenen Demokratie zu erkennen und auch für künftige Generationen für Demokratie, für freie Wahlen, für Klimaschutz und Menschenrechte zu kämpfen. Einen Kampf, den natürlich auch die europäischen Demokratien kämpfen müssen.

Ich bin nicht so vermessen, andere Systeme für in allen Belangen als schlecht zu verurteilen. Aber auch autokratische Systeme wie Russland oder China müssen sich in meinen Augen messen lassen an ihrer Haltung gegenüber den Menschen und der Behandlung von Menschenrechten. Vielleicht muss man an der einen oder anderen Ecke Kompromisse akzeptieren, die dem Wohlstand der Mehrheit dienen. Ich weiß es nicht. Für eine solche Aussage habe ich mich nicht intensiv genug mit solchen Systemen auseinandergesetzt.

Meine eigene Erfahrung aus dem Leben in der DDR hat mich jedoch sehr eindrücklich gelehrt, dass alle hehren Floskeln („Alles gehört dem Volk“. „Jedem soll es gleichermaßen gut gehen“. „Kapitalismus ist das Böse“ …) letztlich doch wieder nur Vorwand sind, um einer kleinen privilegierten Minderheit Macht und ein privilegiertes Leben auf dem Rücken anderer zu ermöglichen. Ich kann gar nicht sagen, wie dankbar ich über die Wiedervereinigung Deutschlands auch heute noch bin!

Natürlich wird die Menschheit all die Probleme, die wir heute in dieser Hinsicht haben, nicht so bald lösen können. Vielleicht schafft sie es sogar, diese niemals zu lösen. Aber ich wünsche mir, dass uns Menschen – gerade den privilegierten unter uns – bewusster wird, wie wir leben, wie viele Ungerechtigkeiten es gibt und dass jeder Mensch grundlegende Rechte haben sollte. Jeder kleine bewusste Schritt in die richtige Richtung zählt. Jeder kleine Beitrag für ein besseres Leben. Verantwortung übernehmen. Sich für andere einsetzen. Selbst auch mal zurückstecken für andere. Es gibt so viele Möglichkeiten.

Jetzt zu schreiben, ich wünsche mir Weltfrieden und die Abschaffung aller unterdrückenden Systeme und Diktaturen, wäre sicher übertrieben. Aber ein klein wenig Umdenken bei jedem von uns und visionäres, Generationen überblickendes Handeln unserer gewählten politischen Führungen, das nicht nur auf die nächste Wiederwahl ausgerichtet ist, wäre schon ein Anfang.

Und diejenigen, die von uns privilegiert sind, sollten sich dessen einfach ein wenig mehr bewusster sein. Es geht nicht darum, seinen Besitz zu verschenken, auf Reisen und Konsum zu verzichten oder das Leben eben nicht in allen möglichen Zügen zu genießen. Es geht darum, einfach ein wenig Umdenken bei jedem von uns zu forcieren. Freunden und Unbekannten zu helfen und die Welt einfach nach eigenen Mitteln ab und zu ein wenig besser zu machen.

Sklaverei, Kriege, Rassismus, Hunger in den ärmsten Ländern der Welt, Kinderarbeit, Umweltzerstörung – es gibt genug Baustellen, an denen wir alle als Menschheit arbeiten müssen und sollten.

Ich glaube nach wie vor an die Menschheit – auch wenn es immer wieder jeden Tag und überall auf der Welt Ereignisse, Menschen und Taten gibt, die einem zweifeln lassen. Doch mit Zweifeln werden wir die Welt nicht verbessern – sondern mit Mut, Optimismus, Intelligenz, Toleranz, Menschlichkeit und dem Willen die Welt von Morgen für unsere Kinder besser zu machen!

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