Fotografie Tipps: Den Mond fotografieren

  • Mond fotografieren

Nicht nur für Werwölfe

Fotografie Tipps: Den Mond fotografieren

Mond fotografieren leicht gemacht. In der Nacht von Sonntag zu Montag gab es ein ganz besonderes Ereignis, das sich erst 2033 wiederholen wird – eine Superblutmondfinsternis. Das möchte ich heute gern zum Anlass nehmen, um dir Tipps zum Thema „Mond fotografieren“ zu geben – einem Thema, das mich ohnehin schon seit langem sehr fasziniert.

Die Superblutmondfinsternis

Aber erst einmal noch ein paar Worte zum gestrigen Ereignis. Eine totale Mondfinsternis an sich ist ja schon etwas Besonderes. Aber wenn es sich dabei auch noch um einen Supervollmond handelt (der Mond erscheint besonders groß, weil er der Erde besonders nah ist), der wiederum auch noch als Blutmond auftritt (der Mond schimmert komplett kupferrot), dann erhält man eine Konstellation, die nicht nur super selten ist, sondern zudem auch noch wahnsinnig faszinierend. Ich bin dafür extra um 3:45 Uhr aufgestanden, habe mich mit meiner bereits am Vorabend vorbereiteten Kamera-Ausrüstung und einer Decke auf meinen nach Westen ausgerichteten Balkon begeben und mich tierisch gefreut, dass es eine wolkenfreie, sternenklare Nacht war.

Bereits um 3:07 Uhr ging es los. Da fiel der erste Schatten auf den Rand des Mondes. Das habe ich zwar verpasst, war aber nicht weiter schlimm. Denn vor allem die Zeit gegen 4 Uhr, als der Mond sich vollständig in den Kernschatten der Erde begab, war das Ziel meiner fotografischen Begierde. Deutlich sichtbar färbte er sich rot, was ein unglaublich faszinierender Anblick war. Zwischen 4:11 und 5:23 herrschte dann die totale Mondfinsternis. Mir gefiel jedoch vor allem die Zeit von 4:00 Uhr bis 4:30 Uhr am besten. Hier fiel noch genug Licht auf den Mond und die rötliche Farbe war besonders intensiv. Dazu dieser herrliche Sternenhimmel und das Bewusstsein, dass ich so etwas erst in 18 Jahren wieder sehen kann – wenn überhaupt. Schließlich weiß man ja nicht, ob bei der nächsten Superblutmondfinsternis das Wetter auch wieder dermaßen gut mitspielt wie in dieser Nacht.

Ich habe den Moment dieser ganz besonderen Mondfinsternis jedenfalls mehr als genossen. Der Mond, die Sterne, die kühle, aber angenehme Luft und der Gedanke, wie klein wir Menschen doch angesichts der Weiten des Weltalls sind – faszinierend!

Was ist ein Blutmond?

Als Blutmond bezeichnet man den rötlich erscheinenden Mond während einer totalen Mondfinsternis. Denn obwohl sich der Mond vollständig im Kernschatten der Erde befindet, biegt das langwellige, rote Licht um die Erde, so dass der Mond auch weiterhin durch diese Lichtwellen schwach sichtbar bleibt.

Mondfinsternis fotografieren

Das Wichtigste, um eine Mondfinsternis zu fotografieren, ist, dass man ein Stativ verwendet und möglichst ein Telezoom-Objektiv ab einer Brennweite von 200 mm. Der Bildstabilisator gehört natürlich deaktiviert und auch auf den Auto-Fokus sollte man verzichten und stattdessen manuell scharf stellen. Dazu geht man am besten in den LiveView, so denn vorhanden und visiert den Mond bei maximaler Vergrößerung mittig an. Nun heißt es mit Fingerspitzengefühl scharf stellen, was bei nicht lichtstarken Objektiven, gar nicht so einfach ist. Der optimale Punkt liegt in der Regel etwas vor dem maximalen Anschlag des Objektivs in der „Unendlich“-Stellung. Mein Tipp: Einfach immer wieder mal justieren und viele Fotos machen – mit etwas Glück sind dann auch richtig knackig scharfe Aufnahmen dabei.

Bei den weiteren Einstellungen habe ich viel experimentiert. Ich habe im manuellen Modus fotografiert, um alle Variablen im Griff zu haben. Die Blende habe ich zumeist auf 1/8f gesetzt, während ich den ISO Wert von 100-800 variiert habe. Optimal fand ich einen Wert von 400. Ich habe jeweils zu Belichtungsserien gegriffen (+/- 1 Blende) und mit Zeiten zwischen 1 und 4 Sekunden gespielt. Vor bzw. nachdem der Mond vollständig im Kernschatten war, sollte man die Zeit natürlich entsprechend kürzen.

Wenn dir sehr scharfe Strukturen auf dem Mond wichtig sind, probiere eine Blende von 5,6 in Kombination mit einem hohen ISO Wert (~1600) und einer kurzen Verschlusszeit von 1/10 – 1/5 Sekunden als Ausgangseinstellung.

Man sollte bedenken, dass bei Belichtungszeiten unter 1/30 Sekunden natürlich die Bewegung des Mondes relativ zur Erde bereits deutlich erkennbar ist – allerdings habe ich bei solch kurzen Verschlusszeiten auch bei höheren ISO Werten nicht genügend Belichtung in der Phase der totalen Mondfinsternis erhalten. Und ISO Werte ab 1600 waren mir bereits deutlich zu verrauscht. Die „optimalen“ Parameter anzugeben, ist nahezu unmöglich. Man muss einfach viel experimentieren und so das Optimum durch Masse an Variationen erschlagen. So zumindest meine Erfahrung.

Statt auf super scharfe Strukturen kam es mir mehr auf eine schöne Färbung des Mondes an. Die folgende Aufnahme entstand mit folgenden Einstellungen: ISO 800, Blende f/8, Belichtung 2 Sekunden

Mond fotografieren

 

Vollmond fotografieren

Der Vollmond leuchtet sehr stark und benötigt daher nur sehr kurze Belichtungszeiten. Am besten probierst du einfach verschiedene Einstellungen aus. Zwischen 1/60 und 1/1000 Sekunde ist fast alles möglich – je nachdem welchen ISO Wert du verwendest, wie Lichtstark dein Objektiv ist und welche Intention du verfolgst. Um möglichst viele Strukturen auf dem Mond zu erkennen, sollte die Belichtungsdauer entsprechend kurz gewählt werden. Ich empfehle auch hier immer Belichtungsreihen zu verwenden, weil es einfach die Chance, die korrekte Belichtung zu treffen, deutlich erhöht.

Theoretisch kann man einen Vollmond sogar aus der Hand fotografieren, ich empfehle trotzdem, lieber das Stativ zu verwenden. Über den ISO Wert kannst du auch bei kurzen Belichtungsdauern steuern, ob du beispielsweise den Sternenhimmel mit auf das Bild bekommen möchtest. Ich halte einen ISO Wert von 100, wie fast überall empfohlen eher für ungünstig. 200-400 empfinde ich als deutlich angenehmer. Als Blende empfehle ich die „Acht in der Nacht“. Alternativ 5,6 um die Abbildungsleistung zu erhöhen.

Fokussieren sollte man am besten manuell im LiveView. Alternativ kann man mittels Autofokus die Mitte des Mondes anvisieren und dann den Autofokus vorsichtig deaktivieren, ohne nun am Objektiv noch etwas zu verstellen.

Mond fotografieren

 

Mond fotografieren – kurz & kompakt

  • Raw Modus verwenden
  • Stativ benutzen
  • Bildstabilisator deaktivieren
  • Fernauslöser oder zeitgesteuerte Auslösung verwenden
  • Ev. Spiegelvorauslösung aktivieren
  • Keinen Blitz verwenden
  • Programmmodus: manuell
  • Blende bei ~ 8 (alternativ 5,6)
  • Verschlusszeit bei ~1/125 (angrenzende Werte testen)
  • ISO- und andere Belichtungsautomatiken ausschalten, ISO Werte zwischen 100 und 400 nutzen (ich empfehle 200)
  • Weißabgleich auf Tageslicht stellen
  • Autofokus aus, manuell auf unendlich scharf stellen
  • LiveView verwenden
  • Serienaufnahmen machen
  • Zur Vorbereitung:
    • Einen guten Beobachtungsort wählen
    • Geladenes Ersatz-Akku griffbereit haben
    • Ersatz-Speicherkarte mitnehmen
    • Linsen säubern
    • Kamera sollte sich 30 Minuten lang an Umgebungstemperatur angepasst haben
    • Taschenlampe mitführen
Mond fotografieren

 

Zusatz Tipp: Kommt es weniger auf die Details des Mondes selbst an, so versuche doch einmal ein spannendes Mond-Foto mithilfe einer schönen Bildkomposition zu erstellen – beispielweise indem du Äste oder Zweige mit ins Bild nimmst, den Horizont mit abbildest oder andere interessante Motive einbindest. Letzteres gelingt mit etwas Glück im Timing auch super zur fortgeschrittenen blauen Stunde.

 

Mond Impressionen

Mond fotografieren

 

Mond fotografieren

 

Mond fotografieren

 

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Die nächsten totalen Mondfinsternisse

  • 31.01.2018 – Asien, Australien, Pazifik, westliches Nordamerika
  • 27.08.2018 – Südamerika, Europa (inkl. Deutschland), Afrika, Asien, Australien
  • 21.01.2019 – Zentralpazifik, Nord- und Südamerika, Europa, Afrika
  • 26.05.2021 – Ostasien, Australien, Pazifik, Nord- und Südamerika

Die nächste von Deutschland aus wirklich gut zu beobachtende totale Mondfinsternis findet im Jahr 2029 statt. Die nächste Superblutmondfinsternis ist erst 2033 wieder zu beobachten. Weitere Daten findest du zum Beispiel hier.

Mehr Foto-Tipps findest du hier in meiner Übersicht.

Was ist dein schönstes Foto zum Thema „Mond fotografieren“? Poste es in den Kommentaren! Ich freue mich drauf.

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29.09.2015|Fotografie|

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