Die Flucht von Alcatraz – war sie wirklich erfolgreich?

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Mythos oder Wahrheit?

Die Flucht von Alcatraz – war sie wirklich erfolgreich?

Die Flucht von Alcatraz – wurde sie tatsächlich erfolgreich vollendet oder ist es doch nur eine Legende? Dieser Frage möchte ich in diesem Artikel nachgehen.

Alcatraz ist einer der Orte, die mich schon seit je her fasziniert haben. Egal, ob Film oder Buch – ich habe alles verschlungen, was sich damit beschäftigt hat. Schon bei meinem ersten Aufenthalt in San Francisco im Jahr 2004 habe ich mir die Gefängnisinsel natürlich nicht entgehen lassen. Und auch im letzten Jahr, als wir erneut meine absolute Lieblingsstadt, San Francisco, besuchten, stand das berühmte Gefängnis natürlich wieder auf dem Programm.

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Die Legende

Alcatraz ist bzw. war das sicherste Gefängnis der Welt. Die Flucht von dort gelang niemand lebend – mit Ausnahme von Frank Morris und seinen beiden Komplizen. So zumindest die Legende. Ob die Flucht allerdings tatsächlich erfolgreich war oder die Flüchtigen beim Versuch ums Leben kamen, konnte bisher nicht eindeutig bewiesen werden. Seit Jahrzehnten beschäftigen sich Menschen, u.a. auch Wissenschaftler, mit diesem Thema. Haben die drei es geschafft oder nicht – das ist die große, spannende Frage.

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Der Tatort

Die Gefängnisinsel Alcatraz liegt in der Bucht von San Francisco etwas mehr als 2 Kilometer vom Festland entfernt. Die Sandsteininsel ist 500 Meter lang und bietet 85.000 Quadratmeter Fläche. Mitte des 19. Jahrhunderts als Fort genutzt, wurde Alcatraz 1934 zum Hochsicherheitsgefängnis, das bis 1963 aktiv genutzt wurde. Hier saßen unter anderem kriminelle Größen wie Al Capone, Machine Gun Kelly und Alvin “Creepy” Karpis ein. Frank Morris wurde 1960 nach Alcatraz überführt.

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Im Schnitt saßen auf Alcatraz nicht mehr als 250 Insassen ein (302 maximal), die im Durchschnitt rund 10 Jahre hier verbrachten. Alcatraz war das Gefängnis für die schwersten Fälle, die in anderen Gefängnissen nicht “sicher genug” verwahrt waren. Unruhestifter, Schwerstkriminelle, Gewalttäter – das war das Klientel dieses Gefängnisses, das nie den Anspruch einer Resozialisierung hatte.

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Zusammen mit den Gefangenen wohnten auch die Gefängniswachen mit ihren Familien auf der Insel (rund 300 Menschen, darunter 80 Kinder).

Wusstest du, dass Alcatraz als einziges Gefängnis Warmwasserduschen hatte? Auf diese Weise sollte die Gewöhnung an das kalte Buchtwasser für einen eventuellen Fluchtversuch verhindert werden.

In der Zeit als Hochsicherheitsgefängnis gab es nachweislich 14 Fluchtversuche mit der Beteiligung von 34 Gefangenen. Die meisten wurden lebend gefasst und wieder ins Gefängnis zurück gebracht – im Fall von Joseph Paul Cretzer und Sam Shockley geschah das sogar zwei Mal. 6 Insassen wurden bei der Flucht erschossen.

Alcatraz galt als ausbruchssicher und nur eine einzige möglicherweise erfolgreiche Flucht hatte diesem Mythos Kratzer beigebracht. Die Flucht von Frank Morris im Juni 1962.

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Flucht von Alcatraz

Die Flucht war vermutlich Monate- wenn nicht gar Jahre lang vom Frank Morris geplant worden. Mit Besteck entfernten er und seine Komplizen John und Clarence Anglin in 3 Monate langer, mühseliger Arbeit den Mörtel zwischen den Steinen ihrer Zellenwände. Auf diese Weise gelangten sie in einen Lüftungsschacht und anschließend über das Dach des Zellenblocks nach draußen. Ihr Verschwinden konnten sie mehrere Stunden unentdeckt belassen, indem sie Köpfe, gebastelt aus Pappmaschee, Toilettenpapier und Haaren aus dem Gefängnis-Barbier-Shop in ihren Betten platzierten.

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Die Flucht über die Bay traten sie dann in einem aus Regenmänteln gebastelten Schlauchboot an. Ihr Verschwinden wurde erst 9 Stunden nach ihrer Flucht bemerkt. Paddel und Reste des Schlauchbootes wurden später am Festland gefunden. Unklar ist, ob die 3 Kriminellen die Überfahrt überlebt haben oder nur die Reste des Schlauchbootes nach dem Kentern angespült wurden. Ihre Leichen konnten jedenfalls nie gefunden werden. Zwar hielt man nach der Flucht lange Zeit an der Überzeugung fest, dass die 3 ertrunken seien – zwischenzeitlich wurden sie 1979 sogar offiziell für tot erklärt – jedoch nahm man mangels Beweises diese These 1993 wieder zurück. Noch heute stehen die 3 auf der Liste der meist gesuchten Verbrecher im nördlichen Kalifornien (Northern California Most Wanted), wo sie mit künstlich gealterten Fotos abgebildet sind.

Frank Morris

Mit vollem Namen hieß der Kopf des vielleicht einzigen Trios, dem die Flucht von Alcatraz jemals gelang, Frank Lee Morris. Er wurde am 1. September 1926 in Washington D.C. geboren und gilt seit dem 11. Juni 1962 offiziell als verschollen. Er hatte einen IQ von 133, war also hochbegabt und hatte zudem höchstwahrscheinlich eine Borderline-Persönlichkeitsstörung.

Im Alter von 11 Jahren verstarben seine Eltern. Seitdem kam er von einer Pflegefamilie zur nächsten. 1940 wurde er zum ersten Mal wegen Diebstahl verurteilt und in die “National Training School for Boys” nahe Washington D.C. gesteckt. Ähnliche Aufenthalte folgten 1943 in Chillicothe, Ohio und 1945 erneut in D.C. 1952 schließlich wurde er zu 10 Jahren Haft wegen Drogenhandels und bewaffnetem Raubüberfall verurteilt. Am 3. Januar 1960 schließlich landet er als Gefangener #AZ1441 in Alcatraz.

Gelang die Flucht von Alcatraz?

Die große Frage bleibt: Haben es Frank Morris und seine Komplizen nun geschafft, die Flucht von Alcatraz zu überleben oder nicht? Mein Gefühl sagt eher nein – schon aus dem einfachen Grund, weil ich vermuten würde, dass nach so vielen Jahren irgendwann ein Lebenszeichen der Flüchtigen aufgetaucht wäre. Aber das ist natürlich nur mein Bauchgefühl.

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Forscher und Wissenschaftler haben inzwischen herausgefunden und gezeigt, dass die Flucht theoretisch an jenem 11. Juni 1962 zwischen 23 Uhr und Mitternacht möglich gewesen wäre. In diesem Zeitfenster waren die Strömungsverhältnisse so, dass das Festland hätte erreicht werden können. Von der Warte aus war die Flucht also zumindest schon mal nicht unmöglich. Dafür, dass die Flucht erfolgreich war, spricht außerdem, dass nie die Leichen der 3 gefunden wurden. Im Grunde genommen fehlt bis heute jede Spur von ihnen – allerdings vielleicht nicht ganz. Tatsächlich fand man am nächsten Tag nicht nur das Regenmantel-Floß und eine Plastiktüte mit ein paar persönlichen Sachen auf Angel Island, 2 Meilen nördlich von Alcatraz, sondern auch ein paar Fußspuren, die vom Strand dort weg führten. Vielleicht haben sie es also doch geschafft.

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Dass die Flucht gelang, dafür gibt es noch weitere Indizien, wie eine aktuelle Reportage des TV-Senders “History” aufdeckt. Angeblich wurden die beiden Anglin-Brüder in den 1970er Jahren in Brasilien gesehen und dort auch fotografiert. Das aufgenommene Bild, das erst 1992 auftauchte, zeigt 2 Männer, die mit den Polizeifotos, die die Alterung der Männer künstlich simuliert, erstaunliche Ähnlichkeit aufweist. Außerdem liegen der Familie Anglin Weihnachtskarten vor, die bewiesener Maßen die Handschrift der Brüder tragen. Allerdings sind diese nicht frankiert oder datiert, so dass unklar ist, aus welchem Jahr sie stammen. Auch Knochen, die Jahre nach der Flucht bei Alcatraz gefunden wurden, konnten inzwischen per DNA Analyse eindeutig analysiert werden. sie stammen nicht – wie oft vermutet wurde – von den Anglins. Offen bleibt, ob sie Frank Morris zuzuordnen sind. Aber mit jedem Indiz steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Flucht tatsächlich gelungen sein könnte.

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Zumindest Frank Morris war sicherlich intelligent genug, um die Füße im Falle einer erfolgreichen Flucht bis heute still zu halten. Offiziell gesucht werden die 3 jedenfalls noch immer. Vielleicht klären sie die Frage aller Fragen ja selbst an ihrem 100. Geburtstag auf, denn an diesem Tag verfallen die entsprechenden Haftbefehle. Ich vermute jedoch, dass es nie eine eindeutige Antwort auf die Frage, ob die Flucht von Alcatraz gelang oder nicht, geben wird. Und vielleicht ist das auch ganz gut so, denn so bleibt die Gefängnisinsel auch weiterhin mit einem großen Geheimnis umweht.

Alcatraz in Film, Buch und Fernsehen

Es gibt viele Filme, Bücher und Dokumentationen über Alcatraz und die Geschehnisse im Gefängnis bzw. mit Alcatraz als Handlungsort. Einige besonders interessante möchte ich hier exemplarisch aufführen:

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Alcatraz heute

Seit 1972 gehört Alcatraz zum Erholungsgebiet von Nationaler Bedeutung (Golden Gate National Recreation Area). Jedes Jahr besuchen über 1,5 Millionen Touristen die Gefängnisinsel. Die Touren dorthin sind in der Regel Wochen im Voraus ausgebucht. Zur Tour gehören sowohl die Überfahrt per Fähre als auch eine spannende Audio Tour auf der Insel selbst. Letztere wird in verschiedenen Sprachen angeboten – Deutsch ist natürlich auch dabei. Ich habe diese Tour jetzt schon zwei Mal mitgemacht und war jedes Mal aufs Neue begeistert von den vielen spannenden Fakten, die auch mit entsprechenden, anschaulichen Tonaufnahmen das Leben hinter den Mauern und Gittern von Alcatraz erzählen. Besichtigt werden können auf dieser Tour neben diversen Zellen in den unterschiedlichen Zellenblöcken auch der Speisesaal, das Gefängniskrankenhaus sowie die sanitären Einrichtungen.

Wusstest du, dass der Schriftzug auf dem Wasserturm an die Besetzung der Insel durch amerikanische Ureinwohner in den Jahren 1969 bis 1971 erinnert?
Er lautet: “Peace and Freedom. Welcome. HOME of the Free INDIAN LAND.
Der Turm und das Graffiti wurden 2012 unter der Regierung von Obama aufgrund der historischen Bedeutung aufwändig für 1.5 Millionen Dollar restauriert.

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Touren nach Alcatraz

Tickets für Alcatraz Touren bucht man am besten auf der offiziellen Webseite für Alcatraz Touren und nicht über dubiose Zwischenhändler. Letztere nehmen zudem oft einen Aufschlag auf den offiziellen Ticketpreis, den man sich sparen sollte.

Touren zur Auswahl

  • Early Bird Tour 8:45 Uhr (schnell und weit im Voraus ausgebucht)
  • 9:10 Uhr Tour
  • Alcatraz & Angel Island Combination Tour 9:40 Uhr
  • Day Tour 9:30 Uhr – 15:50 Uhr
  • Behind the Scenes 16:20 Uhr & 16:50 Uhr
  • Night Tour 17:55 Uhr (schnell und weit im Voraus ausgebucht)

Preise

  • Early Bird / Day Tour: Erwachsene 33 USD & Kinder ab 20,50 USD
  • Night Tour: Erwachsene 40 USD & Kinder ab 24 USD
  • Behind the Scenes Tour: Erwachsene 85 USD & Kinder ab 81 USD
  • Alcatraz & Angel Island Combination Tour: Erwachsene 66,75 USD & Kinder ab 45,25 USD

Linkempfehlungen

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Fazit

Für mich war und ist Alcatraz einer der spannendsten Orte in San Francisco. Allein schon die Lage der Gefängnisinsel mitten in der Bay mit herrlichem Blick auf die Skyline von San Francisco ist toll. Rechter Hand die Oakland Bridge, linker Hand die Golden Gate Bridge und im Norden winkt der Blick nach Sausalito. Das Gefängnis selbst ist lebende Geschichte hautnah. Die Zellen zu sehen, zu begehen, zu fühlen, wie trist und hart das Leben einst hier gewesen sein muss, beeindruckte mich sehr. Zudem kann man natürlich spannende Fotos in und um das Gemäuer herum machen. Wenn ihr also in San Francisco seid – reserviert euch unbedingt ausreichend im Voraus Tickets und besucht dieses spannende Stück amerikanischer Geschichte.

Ob die Flucht von Alcatraz tatsächlich gelungen ist, weiß ich nicht. Aber mein Gefühl sagt, dass das nicht der Fall ist. Denn auch wenn viele Indizien dafür sprechen, so kann ich mir doch einfach nicht vorstellen, dass nicht mindestens einer der 3 der amerikanischen Justiz eine lange Nase gedreht und sich damit gebrüstet hätte, den als Mythos geltenden ausbruchssichereren Status der Gefängnisinsel zerlegt zu haben.

Was glaubst du? War die Flucht von Alcatraz erfolgreich?

Zusammenfassung
Die Flucht von Alcatraz - war sie wirklich erfolgreich?
Titel:
Die Flucht von Alcatraz - war sie wirklich erfolgreich?
Inhalt:
Gelang die Flucht von Alcatraz wirklich? Oder ist sie nur ein Mythos? War Frank Morris der einzige Insasse, dem es gelang, aus dem ausbruchssicheren Gefängnis in San Francisco auszubrechen? Erfahre mehr!
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23.11.2015|Spotlights, USA|

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