Vom Leprechaun und einem Topf voll Gold

  • Leprechaun

Fiktion

Vom Leprechaun und einem Topf voll Gold

Leprechauns in Irland – gibt es sie wirklich? Ich hätte bis vor kurzem jeden ausgelacht, der behauptet hätte, dass es die kleinen Kobolde aus der irischen Sagen-Landschaft ernsthaft gibt. Doch dann passierte folgendes:

Es war einer dieser typischen, Wetter-technisch durchwachsenen Tagen in Irland, die ich so sehr lieben gelernt habe. Sonne, Regen, Wolken – ein Wechsel, der sich immer wieder wiederholte. Ich fuhr gerade mit meinem Auto durch die wunderschöne, grüne, irische Landschaft als ich plötzlich hinter einer engen Kurve diesen wundervollen in allen Farben schimmernden Regenbogen sah. Was für ein wundervoller Anblick! Schon lange hatte ich von einem solchen Motiv geträumt. Anhalten, die Kamera schnappen und … meine Enttäuschung war groß. Obwohl nur wenige Sekunden vergangen waren, war von dem wundervollen Regenbogen plötzlich kaum noch etwas zu sehen. Lediglich ein leichtes Schimmern lag noch in der Luft und ein Glitzern, genau dort, wo er der grünen Landschaft zu entspringen schien. Sollte das vielleicht … ? Schnell verwarf ich diesen Gedanken wieder. Und doch ließ er mich in den folgenden Minuten irgendwie nicht los. Sollte ich… ? Kurz entschlossen stieg ich wieder ins Auto und fuhr auf den Punkt zu, an dem ich dieses kurze Funkeln glaubte, gesehen zu haben.

Als ich die Stelle 20 Minuten später erreichte, lachte bereits wieder die Sonne über mir. Die Landschaft – wunderschön und abwechslungsreich lud mich geradezu ein, hier ein wenig zu verweilen. Und so stieg ich aus und lief einfach los. Felsen und Büsche säumten meinen Weg. Hier und da traf ich auf Schafe. Ich genoss den warmen Wind, der mir ins Gesicht blies. Doch was war das? Plötzlich huschte etwas in meinem Augenwinkel hinter ein paar Büschen vorbei. Hatte ich mir das eingebildet? Unsicher lief ich weiter. Da, wieder. Dieses Mal war ich mir ganz sicher. War es ein Tier? Aber so schnell? Nein, das konnte nicht sein. Ich tat, als ob ich nach links abbiegen würde und sprang plötzlich nach rechts in die Büsche, wo ich das Tier vermutete. Was machte ich für Augen, als plötzlich dieser kleine Wicht vor mir saß – offensichtlich genauso perplex wie ich. Grüner Hut, Anzug, Weste, Schuhe mit riesigen goldenen Schnallen. Dazu ein roter Bart und dieses verschmitzte Lächeln. „Scheint, du hast mich erwischt“, sagte er und grinste. Noch immer ziemlich baff, nickte ich ungläubig. „Bist du etwa ein … Kobold?“, fragte ich. „Pah, Kobold, ich bin ein Leprechaun!“, antwortete er. „Und bevor du fragst, ja, natürlich gibt es uns wirklich. Aber verrate mir, wie du mich gefunden hat!“ Daraufhin erzählte ich ihm von dem Regenbogen und dem Glitzern. Aufmerksam hörte er mir zu und nickte hier und da zustimmend. „Scheint, als hättest du dir eine kleine Belohnung verdient“, sprach er, als ich meine Erzählung beendet hatte. Mit flinker Hand zog er plötzlich eine Goldmünze hervor und warf sie hoch in die Luft. Wie sie glitzerte! Gekonnt fing er sie wieder auf.

Ein Gedanke schoss mir durch den Kopf. Ob es diesen Topf voll Gold aus den Sagen und Mythen am Ende gar doch gibt? Wie war das noch? Angestrengt dachte ich nach. Man muss den Leprechaun an den Schultern packen und fangen und dann bekommt man diesen Topf aus Gold. War das nicht so? Gerade als sich dieser Gedanke in mein Bewusstsein drängte und ich schon meine Muskeln zum erneuten Sprung anspannte, machte es plötzlich „PLOPP“. Wo eben noch der Leprechaun saß, war plötzlich nichts mehr. Einzig ein hämisches Lachen hing in der Luft. Verdammt! Ich hatte die Chance meines Lebens verpasst. Doch noch bevor ich mich richtig darüber ärgern konnte … wachte ich auf! Etwas verstört realisierte ich, dass ich noch immer auf dieser wunderschönen grünen Wiese mitten in der herrlichen irischen Landschaft lag und schlichtweg eingeschlafen war. Was für ein verrückter Traum! Lächelnd ließ ich den Blick umher schweifen. Weit und breit kein Leprechaun zu sehen. Schade eigentlich. Aber wer weiß, vielleicht gibt es sie ja doch!

Leprechaun

 

Ich schwöre, jedes Wort dieser Geschichte ist so wahr, wie es tatsächlich Leprechauns und Feen gibt! *zwinker* Aber kommen wir nun einmal zu ein paar tatsächlichen Fakten über die kleinen, grünen Kobolde. Denn – zugegeben – diese kleine Geschichte habe ich mir natürlich ausgedacht.

Was ist ein Leprechaun?

Leprechauns zählen genau wie die Harfe und das vierblättrige Kleeblatt zu den Wahrzeichen Irlands. Sie sind Wesen der irischen Mythologie und gehören zu den Naturgeistern. Leprechauns sind sterblich, werden aber zumeist sehr alt (mehrere Jahrhunderte Lebensspanne).

Mit ihnen in Verbindung gebracht wird in der Regel der Topf voll Gold, der sich am Ende des Regenbogens befinden soll und von den Leprechauns geflissentlich bewacht wird. Nur, wer es schafft einen Leprechaun an den Schultern packend zu fangen und ihn danach nicht mehr aus den Augen lässt, wird es schaffen, dem Kobold das Geheimnis des Ortes des verborgenen Goldschatzes zu entlocken.

Woher der Name herkommt

Vermutlich leitet sich der Name (der übrigens Lepp-re-konn ausgesprochen wird) aus dem irischen Wort “leipreachán” ab, das wiederum aus dem mittelirischen “luchorpán” entstanden ist und so viel wie “kleiner Körper” bedeutet. Auch eine zweite Interpretation hinsichtlich der Ableitung vom gälischen “lukot” deutet auf die geringe Körpergröße hin. Man nennt sie oftmals auch “kleines Volk” (little people).

Wie sieht ein Leprechaun aus?

Leprechauns sind klein (~50 Zentimeter) und in der Regel elegant gekleidet. Neben einem großen (riesigen) grünen Hut, einem grünen Anzug – in der Regel mit Weste – und braunen, schwarzen oder grünen Schuhen mit großen goldenen Schnallen tragen sie ein weißes Hemd und oftmals auch eine Lederschürze mit ihren Werkzeugen. In den meisten Fällen vervollständigt ein rotbrauner bis leuchtend roter Bart nebst gleichfarbigem Haar das Erscheinungsbild. Traditionell sind Leprechauns ausschließlich männlich, was allerdings die Frage der Fortpflanzung aufwirft. Die Lieblingsfarben der kleinen Gesellen sind grün und braun, wie schon an der Kleidung abzulesen ist.

Charaktereigenschaften

Leprechauns wird nachgesagt, dass sie sehr intelligent und flink sind. Sie scheuen die Menschen und sind diesen gegenüber oft misstrauisch und recht griesgrämig. Trotzdem besitzen sie durchaus eine ausgesprochene Fröhlichkeit unter ihresgleichen. Sie haben die Begabung, alle traditionellen irischen Musikinstrumente spielen zu können. Dazu gehören Geige, Harfe und Blechflöte. In wilden Musik-Sessions (“Ceilis”) feiern sie zumeist wilde, nächtliche Feste mit Tanz, Musik und natürlich Whiskey. Meist gutartiger Natur sind sie jedoch durchaus auch schon mal für einen derberen Scherz zu haben, wobei ihnen ihre von den irischen Feen gegebenen magischen Kräfte natürlich zugutekommen. In der Regel sind Leprechauns Alleingänger. Fast alle gehen dem Beruf des Schumachers nach, weshalb man sie oft mit Hammer und Schuh in den Händen antrifft – so man sie denn antrifft. Neben dem bereits erwähnten Whiskey zählen auch selbstgebrautes Heidebier und Tabak zu ihren Lastern, weshalb man die kleinen Kobolde gern auch mal genüsslich eine Pfeife rauchen sieht.

Leprechaun

Leprechauns gelten als unermesslich reich aber auch geizig. Vor allem ihre beiden Zaubermünzen hüten sie wie einen Augapfel. Ihnen wird nachgesagt, eine Silbermünze zu besitzen, die nach jeder Bezahlung wieder in die Hände ihres Besitzers zurückwandert, sowie eine Goldmünze, die ihnen hilft, sich aus schwierigen Situationen zu befreien, beispielsweise, indem sie sich einfach in Luft auflösen. Die Silbermünze (von der oft auch gesagt wird, sie sei golden) verschenken sie zuweilen auch an Helfer in der Not, natürlich wohlwissend, dass, sobald der Beschenkte diese Münze ausgibt, sie wieder in seine Hände zurückkehrt. Ob damit die Hände des Beschenkten oder des Leprechauns selbst gemeint sind, ist noch nicht ganz geklärt. Ich muss unbedingt einen Leprechaun danach fragen, sobald ich einen treffe.

Wo leben die Leprechauns

Leprechauns sind ausschließlich in Irland anzutreffen. Sie leben in den grasbewachsenen Hügeln und wilden Wäldern und das schon lange, bevor die Kelten das Land besiedelten. Die oft als Feenhügel beschriebenen, meist baumbewachsenen Erhebungen, die vermutlich das Zuhause des kleinen Volkes sind, würde kein Bauunternehmer oder Farmer wagen abzutragen, wohl wissend, welche Konsequenzen solch ein Frevel haben könnte. Am liebsten wohnen die Kobolde in Erd- oder Baumhöhlen. Viele sind heutzutage jedoch auch schon so kultiviert, dass sie ein Haus ihr Eigen nennen.

Leprechaun

 

Leprechauns in Film und Fernsehen

Im Film “Harry Potter und der Feuerkelch” ist ein Leprechauns das Maskottchen der irischen Quidditch-Nationalmannschaft. Doch es geht auch anders. Im Horrorfilm “Leprechaun – Der Killerkobold” aus dem Jahr 1993 spielt ein fieser, mörderischer Leprechaun eine der Hauptrollen.

Weitere Filme, in denen Leprechauns eine Rolle spielen sind:

Auch in der Literatur, der irischen Mythologie und der Musik spielen Leprechauns immer wieder eine Rolle Als Beispiel dafür sei das folgende Gedicht “The Leprechaun” von Robert Dwyer Joyce angeführt, dass das Wesen der Kobolde meiner Meinung nach sehr gut beschreibt.

In a shady nook one moonlit night,
A leprechaun I spied
In scarlet coat and cap of green,
A cruiskeen by his side.
‘Twas tick, tack, tick, his hammer went,
Upon a weeny shoe,
And I laughed to think of a purse of gold,
But the fairy was laughing too.

 

With tip-toe step and beating heart,
Quite softly I drew night.
There was mischief in his merry face,
A twinkle in his eye;
He hammered and sang with tiny voice,
And sipped the mountain dew;
Oh! I laughed to think he was caught at last,
But the fairy was laughing, too.

 

As quick as thought I grasped the elf,
“Your fairy purse,” I cried,
“My purse?” said he, “’tis in her hand,
That lady by your side.”
I turned to look, the elf was off,
And what was I to do?
Oh! I laughed to think what a fool I’d been,
And, the fairy was laughing, too.


Und wie viele Leprechauns hast du schon getroffen?

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24.09.2015|Fiktion, Irland, Spotlights|

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